Pop-Art in optimal temperierten Ausstellungsräumen

Großzügige Glasfassaden unterstreichen den einladenden Charakter der Kunsthalle

Neues Museum in Ulm setzt auf cuprotherm-Flächenheizung und -kühlung

Sie ist eine der größten Attraktionen der neu gestalteten Ulmer Innenstadt: Die Kunsthalle Weishaupt. Der spektakuläre Neubau mit einer Bruttogeschossfläche von ca. 4.000 m² präsentiert die private Kunstsammlung des Unternehmers Siegfried Weishaupt. Das Museum zeigt eine Auswahl wertvoller Exponate moderner Kunst mit Fokus auf den Arbeiten von Pop-Art- Künstlern wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein. Für die ganzjährige optimale Temperierung der Kunsthalle und der empfindlichen Kunstwerke setzte der Bauherr auf eine ausgeklügelte Haustechnik. Sie basiert auf einer Klimatisierung durch eine Quelllüftung der Hesco GmbH in Verbindung mit dem cuprotherm-Flächenheiz- und -kühlsystem der Ulmer Wieland-Werke. Die moderne Innenausstattung mit zeitgemäßen Bauelementen und hochwertiger Technik findet ihre Fortsetzung in der Gestaltung des Exterieurs. Das vom Münchner Architekten Wolfram Wöhr entworfene, keilförmige Museumsgebäude überzeugt durch eine einfache und klare Formensprache – ebenso wie die neuen Gebäude "Sparkasse Neue Mitte" und "Münstertor" seines Architekten-Kollegen Stephan Braunfels. Die drei Gebäude bilden zusammen das Ensemble "UlmNeueMitte", das im Zuge des Rückbaus der Neuen Straße, einer Nachkriegs- Verkehrsschneise, entstand. Als wegweisendes Konzept zur Innenstadtaufwertung wurde das Projekt mit dem Deutschen Städtebaupreis ausgezeichnet. Das viergeschossige Weishaupt-Gebäude gliedert sich den Nutzungen entsprechend in drei Baukörper, die miteinander verbunden sind. Die Basis bildet ein gläserner Erschließungstrakt, der über den Haupteingang auf der Westseite betreten werden kann und in dem eine Treppe über zwei Obergeschosse nach oben führt. Im Erdgeschoss befindet sich ein Empfangsfoyer und ein Café. Ein geschlossener, eingeschobener Kubus im 1. und 2. Obergeschoss bildet den eigentlichen Ausstellungsteil der Kunsthalle: Im 1. Stockwerk befindet sich ein für die Präsentation von Grafik besonders geeigneter Saal, im 2. Stock werden Skulpturen und Gemälde ausgestellt. Im 3. Baukörper, einem viergeschossigen Gebäudeteil im Osten des Komplexes, sind die Verwaltung und die Anlieferungszone samt Lastenaufzug untergebracht.

Großzügige Glasfassaden unterstreichen im Zusammenspiel mit Sichtbeton-Elementen die klare Formensprache der Architektur und den einladenden Charakter der Kunsthalle.

Hohe Anforderungen an die Raumtemperierung

Aufgrund der empfindlichen Kunst-Exponate sind die technischen Anforderungen an eine exakte und jederzeit zuverlässige Temperierung der Kunsthalle besonders hoch. "Die Raumtemperatur muss in den Ausstellungsräumen ganzjährig minimal 21 °C bet ragen und darf maximal 24 °C nicht überschreiten", erläutert der zuständige Planer Markus Zieher vom Ulmer Planungsbüro zieher technic die wichtigste Vorgabe. Zudem ist die Minimum-Maximum-Spanne für die Luftfeuchtigkeit im Ausstellungsbereich mit 50 bis 55 % sehr eng gesetzt. Um diese Vorgaben zu erfüllen, setzte das Planungsbüro bei der Realisierung auf das cuprotherm-Flächenheiz- und -kühlsystem von Wieland. Es wird in Verbindung mit einem Quelllüftungssystem betrieben, das eine abschnittsweise Temperierung der Ausstellungsräume erlaubt. Das cuprotherm-System wurde mit blanken Kupferrohren in der Abmessung 14 x 0,8 mm in Verbindung mit cuprotherm-Trockensystemplatten verlegt. Auf einer Gesamtfläche von ca. 2.000 m² installierte das Ulmer Gebäudetechnik-Unternehmen Julius Gaiser GmbH & Co. KG rund 8.000 m Rohrleitung. Das cuprotherm-System sorgt für die Beheizung sämtlicher Räume des Weishaupt-Gebäudes sowie für die Kühlung des Erdgeschosses und der Ausstellungsflächen im 1. und 2. OG. Zusätzlich wird eine 65 m lange Sichtbetonwand, die sich auf der Südseite des Gebäudes über die gesamte Länge des Treppenaufganges erstreckt, mittels Betonkernaktivierung zur Klimatisierung genutzt.

Steuerung über die Haustechnik-Zentrale im ersten Obergeschoss

Die Energieversorgung des Gebäudes und die Regelung der Klimatisierung erfolgt über die Haustechnik- Zentrale im 1. Obergeschoss. Hier befindet sich eine Ferndampf-Übergabestelle, über die das Museum die Wärmeenergie für die Beheizung der einzelnen Räume bezieht. Die Technikzentrale ist mit Wärmetauschern ausgestattet, die je nach Bedarf automatisch auf den Heiz- oder Kühlmodus umschalten und die Räume über die Flächentemperierung entsprechend versorgen. Ergänzt wird die Flächenheizung und -kühlung von der Quelllüftung. Sie agiert in Sequenz mit dem cuprotherm-System und versorgt über vier Lüftungsanlagen das Foyer und das Museums-Café sowie den Treppenbereich und die Ausstellungsräume. Eine Wärmerückgewinnungsanlage, ein Dampfbefeuchter, eine Kältemaschine, ein Verflüssiger und ein 2.500 Liter-Pufferspeicher gewährleisten zudem, dass die Temperierung ganzjährig mit den geforderten Parametern und möglichst energieeffizient erfolgt.

Angenehmes Klima beim Betreten des Gebäudes

Bereits im Empfangsbereich der Kunsthalle im Erdgeschoss stimmt ein angenehmes Raumklima den Besucher auf die Besichtigung des Museums ein. Hier wird das cuprotherm-System zum Heizen und Kühlen eingesetzt, die Quelllüftung zum Belüften der Räume. Sie versorgt den Empfangsbereich über Lüftungsschlitze, die entlang der Wände installiert sind, mit Frischluft. Die Abluft wird in der oberen Raumhälfte wieder abgezogen. Der Fußbodenaufbau mit dem cuprotherm-System ist im EG und im 3. OG nahezu identisch: Die Basis bildet eine auf der Betondecke liegende, 50 mm dicke Dämmschicht, auf welche die cuprotherm-Systemplatte mit den Kupferrohren montiert wurde. Nach der Abdeckung mit einer Folie erfolgte das Anbringen einer 60 mm dicken Estrichschicht. Den Abschluss bilden ein 20 mm dickes Mörtelbett (im EG) und der Bodenbelag. Im 3. OG, wo das cuprotherm- System die Räume nur beheizt (Kühlung über ein Deckenkühlsystem), wurde ein Textilbelag verlegt. Im Erdgeschoss setzte man auf einen hochwertigen Naturstein als Belag: Zum Einsatz kam Crailsheimer Muschelkalkstein.

Strikte Klimatisierungsvorgaben zum Schutz der Kunstwerke

Während die Temperierungsvorgaben im Erdgeschoss und im 3. OG höhere Toleranzen aufweisen, sind in den Ausstellungsräumen eine Temperatur von 21 bis 24 °C und eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 55 % zum Schutz der Kunstwerke strikt einzuhalten. Über Außenfühler werden Außentemperatur und -feuchtigkeit präzise erfasst und an die zentrale Regeltechnik weitergegeben. Sie nimmt die umgehende Abstimmung des cuprotherm-Systems und der Quelllüftung auf die äußeren Witterungsverhältnisse vor.

"Während das cuprotherm-System für die Grundlast sorgt, kann mit der Quelllüftung schnell auf wechselnde und extreme Wetterverhältnisse reagiert werden – so zum Beispiel auf kalte und trockene Außenluft im Winter oder intensive Sonneneinstrahlung mit rascher Innenraumerwärmung im Sommer", erläutert Planer Markus Zieher die Aufgabenteilung beider Systeme. Durch das perfekte Zusammenspiel von Flächentemperierung und Quelllüftung kann so jederzeit eine optimale Klimatisierung der Ausstellungsräume mit wenig Luftverwirbelungen erfolgen.

Quelllüftung ermöglicht abschnittsweise Temperierung

Über einen unterhalb der Ausstellungsräume befindlichen Doppelboden wird Frischluft mittels Lüftungsschlitzen zugeführt. Das System ist dabei so konzipiert, dass die Luftzufuhr mit unterschiedlichen Temperaturen und Luftfeuchtigkeiten zonenweise abgestuft erfolgen kann. So ist es zum Beispiel möglich, bei starker Sonneneinstrahlung über die Westfassade eine von Ost nach West zunehmende Kühlung der Ausstellungsräume zu realisieren. Abgezogen wird die Luft in der oberen Raumhälfte und über Lüftungsschlitze im Treppenaufgang. Dadurch, dass im Treppenbereich ca. 5 % mehr Luft wieder abgesaugt wird als in den Ausstellungsräumen, entsteht ein leichter Luftstrom hin zum Treppengang, der für einen optimierten Luftaustausch sorgt.

cuprotherm-System auf dem Doppelboden installiert

Das cuprotherm-System wurde in den Ausstellungsräumen auf einen Doppelboden installiert, der jeweils aus einer 30 mm dicken, an Ständerfüßen montierten Holzplatte besteht. Die Gebäudetechnik- Firma Gaiser verlegte im Ausstellungsbereich Kupferrohre mit einer Gesamtlänge von 5.000 m auf einer Fläche von rund 1.120 m². Die Grundlage des Aufbaus bildet jeweils die cuprotherm-Trockenbauplatte mit den Kupferrohren. Diese Systemplatte ermöglicht auch ein spiralförmiges Verlegen der Heizungsrohre. Auf die darauf folgende Folienabdeckung kam eine 45 mm dicke Estrichschicht. Eine Epoxydharz-Beschichtung und ein hochfester Fließmörtel "SIC-Megaplan Silatex" bilden den Abschluss.

"Kunstwand" wird ebenfalls beheizt und gekühlt

Ein besonderes architektonisches Highlight der Ausstellungsräume ist eine im Innenraum freistehende 8,5 m breite und 9,5 m hohe "Kunstwand" aus verblendetem Stahlgerippe. An der Westfassade des Gebäudes über dem Eingangsbereich positioniert, ist die mit einem großformatigen Bild versehene Wand ein echter Eye-Catcher. Auch technisch gesehen bietet die Konstruktion eine Besonderheit: Sie kann über ein integriertes Flächentemperierungssystem sowohl beheizt als auch gekühlt werden. Die Temperierung ist notwendig, weil große und rasche Temperaturschwankungen im unmittelbaren Umfeld der Exponate unbedingt zu vermeiden sind. "Die Flächentemperierung erwies sich in Kombination mit der Quelllüftung als eine ideale technische Lösung zur präzisen Regelung der Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit. Dazu kommt, dass das cuprotherm-System und die impulsarme Strömung der Quelllüftung kaum Luftverwirbelungen verursachen und eine sehr gleichmäßige Temperierung ermöglichen", fasst Planer Markus Zieher die Vorteile der eingesetzten Komponenten zusammen.

cuprotherm CTX ergänzt cuprotherm-Produktfamilie

Als Ergänzung zum klassischen cuprotherm-System bietet die Wieland-Werke AG mit cuprotherm CTX ein besonders flexibles Markenkupferrohr, das dem Anwender einen hohen Montagekomfort und darüber hinaus auch wirtschaftliche Vorteile bietet. Ermöglicht wird dies durch ein leichtes, gewichtsreduziertes Kupferrohr, das mit einer fest haftenden Kunststoffummantelung versehen ist. Hervorragende Verlegeeigenschaften gewährleisten eine schnelle und komfortable Montage. Das cuprotherm CTX-Rohr ist eine Lösung für all diejenigen, welche die Qualität und Langlebigkeit des Materials Kupfer schätzen und zugleich ein sicher kalkulierbares, preisstabiles Produkt einsetzen möchten. Als Ergänzung der cuprotherm-Familie deckt cuprotherm CTX Wünsche nach längeren Ringlängen (z. B. 100 m) ab und ist zudem für einen sehr breiten Einsatzbereich vorgesehen.

So kann cuprotherm CTX zur Flächenheizung und -kühlung, Heizkörperanbindung, Betonkernaktivierung und für Erdkollektoren eingesetzt werden. Die DVGW-Zulassung ermöglicht es, cuprotherm CTX-Rohre auch für die Trinkwasserinstallation zu verwenden.

Objekt: Kunsthalle / Museum Weishaupt, Ulm
Bauherr: Siegfried Weishaupt
Architektur: Wolfram Wöhr, München (wwa wöhr heugenhauser architekten)
Heizungsbau: Julius Gaiser GmbH & Co. KG, Ulm
Haustechnik-Planung: Ingenieurbüro zieher technic, Ulm
MSR-Technik: Neuberger Gebäudeautomation GmbH & Co. KG, Rothenburg