Lagerhallenheizung zu 100 % durch erneuerbare Energie

Erstellung einer Lagerhalle

Der Familienbetrieb Rohmer setzt auf erneuerbare Energien und langlebige, energieeffiziente Heizungstechnik

Was hat eine Industrieflächenheizung in einer Lagerhalle mit der Europäischen Union zu tun? Vordergründig sieht man keinen Zusammenhang. Dennoch, die EU-Richtlinie zur Gesamtenergieeffizienz verpflichtet die Mitgliedstaaten, den Brutto-Endenergieverbrauch zu reduzieren und den Anteil erneuerbarer Energiequellen zu steigern. In der BRD ist für die Umsetzung die novellierte Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) und die Novelle des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz von 2011 maßgebend. Die Energiewende hat sich von der reinen Stromwende hin zu einer Wärmewende entwickelt, denn die Reduzierung des Wärmebedarfes trägt entscheidend zur Senkung des Endenergieverbrauchs bei. Dies trifft nicht nur den Wohnungsbau, sondern auch Nichtwohngebäude. Obwohl verschiedenste Förderprogramme durch die Regierung ins Leben gerufen worden sind, werden bislang weder die EU-Ziele noch die selbst gesteckten Ziele der Bundesrepublik erreicht. Daher bauen die Regierungsvertreter auch auf die Eigeninitiative ihrer Bürger. Beispielhaft für Eigeninitiative kann die Familie Rohmer aus Gögglingen genannt werden. Etwas abseits des Dorfes in der Nähe von Ulm und am Rande der schwäbischen Alb hat der Familienbetrieb einen Schweinemaststall mit 1.500 Plätzen gebaut. Um sich ein zweites Standbein zu schaffen, investierte Herr Rohmer nun in eine eigene Biogasanlage. Diese wandelt die anfallende Gülle unter Zusatz von Mais zu Strom und Wärme um.

Die anfallende Abwärme wird zu 25 % im Schweinestall wieder verbraucht, der Hauptanteil mit 75 % jedoch wird momentan in ein Fernwärmenetz eingespeist und zeitweise für die Trocknung von Holz verwendet. Im Zuge der Erweiterung des Bauernhofs um eine Lagerhalle ergab sich die Frage nach dem Konzept für die erforderliche Beheizung. Für neu zu errichtende Gebäude müssen hierbei seit dem 01.01.2009 die Anforderungen des EEWärmeG eingehalten werden, Zitat § 3: "Die Eigentümer von Gebäuden…, die neu errichtet werden, müssen den Wärme- und Kälteenergiebedarf durch die anteilige Nutzung von Erneuerbaren Energien … decken." Bei der hier in diesem Projekt zur Verfügung stehenden Abwärmeenergie von ca. 300 kW war der geeignete Energieträger schnell gefunden. Biogas ist als erneuerbare Energiequelle eingestuft und deckt damit laut Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz den notwendigen Anteil zur Beheizung mehr als ausreichend ab. Um Wirkungsgrad und Energieeffizienz noch zu steigern, hat sich Herr Rohmer in Absprache mit der TGA-Planungsabteilung der Wieland-Werke AG, Ulm, zum Einbau einer cuprotherm-Industrieflächenheizung auf Basis hochwertiger Markenkupferrohre entschieden. Der Einsatz von Kupferrohren im Sinne einer ökologischen nachhaltigen Entwicklung, die durch eine vorhandene Umweltproduktdeklaration untermauert wird, sowie das BVF-Siegel vom Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen e.V., Hagen, sind ein Garant für die Nachhaltigkeit und Qualität aufeinander abgestimmter Komponenten. Planungsservice und Baustellenunterstützung sorgen für die Langlebigkeit der Heizungsanlage und für eine dauerhaft funktionssichere Beheizung der Gebäude.

Das überzeugte den Bauherren. Trotz der Fläche von 1.100 m² für die Mehrzwecklagerhalle wurde zur Beheizung von der zur Verfügung stehenden Abwärmeenergie von 300 kW nur ein Bruchteil benötigt: nur 55 kW Heizleistung werden über 4 Zonen und über 4 Heizkreisverteiler bei Bedarf eingespeist. Installiert wurde die Anlage vom Heizungsfachbetrieb Firma Mack aus Ulm. Zum Einsatz kamen cuprotherm CTX-Rohre der Abmessung 18 x 2 mm, insgesamt 3.800 m. Im vorliegenden Fall wurde die Flächenheizung in eine mattenbewehrte Betonbodenplatte eingebettet. Die Rohrleitungen liegen auf der unteren Bewehrung. "Selbst die verstärkte Eisenbewehrung und die rauen Baustellenbedingungen stellten keine Hindernisse dar, denn die verwendeten CTX®-Rohre weisen exzellente Biegeeigenschaften auf, sind erstaunlich robust und lassen sich trotzdem leicht verlegen", so Marcel Schmid von der Firma Mack. Selbst die eisernen Aufständerungen für die zweite Bewehrungsebene konnten den Rohren nichts anhaben. Abgeschlossen wurde die Konstruktion mit einer Betonschicht, die in den Randbereichen mit ca. 30 cm Dicke und im Innenbereich mit ca. 20 cm Dicke bemessen wurde. Diese Kombination, Flächenheizung in Nichtwohngebäuden und der Einsatz von erneuerbaren Energien erfüllt die Anforderungen der aktuellen EnEV 2014. Selbst die beschlossene Verschärfung der primärenergetischen Anforderungen um weitere 25 % in der EnEV 2016, gültig zum 01.01.2016 für neue beheizte Hallengebäude (6), kann mit dem Einsatz von erneuerbaren Energien leicht eingehalten werden. Dies zeigt auch der erst kürzlich erschienene Leitfaden "Planung neuer Hallengebäude" der FIGAWA.

Die bekannten Vorteile einer Flächenheizung werden zunehmend auch im Bereich der Nichtwohngebäude genutzt. Die Wirtschaftlichkeit, niedrigen Systemtemperaturen und vor allem der thermische Komfort exakt im Aufenthaltsbereich der dort tätigen Personen sind dafür ausschlaggebend.